| Urlaubsbericht Venezuela mit freundlicher Genehmigung von Thomas Torbecke http://home.t-online.de/home/thomas.torbecke/ Venezuela 1998 Am 03.10.1998 ging es los!!! Wir (mein Kumpel Christoph und ich)hatten unsere Koffer gepackt und der Flug führte uns von Düsseldorf über Madrid bis nach Caracas, wo wir schon von Norbert Flauger erwartet wurden. Norbert Flauger ist ein Deutscher der in Venezuela lebt und dort ein Haus für Entomologen und Naturfreunde betreibt. "Casa Maria" (so heißt das Haus) liegt ca. 800m über dem Meeresspiegel inmitten der Küstenkordilliere. Es liegt weit abseits vom Massentourismus (nächstes Telefon ca. 1/2 Std. Autofahrt!!!) in tropischer Vegetation in der Umgebung von Bejuma (nördliches Venezuela). Von hier ging es nun fast täglich zu Fuß, mit dem Auto oder mit dem Boot auf "Fischfang". Am ersten Tag fuhren wir zum Lago Cachinche um zu schauen wie hoch der Wasserstand ist, da wir eine Bootfahrt in der nächsten Woche planten. Der Lago Cachinche ist ein großer Stausee der stark zerklüftete Buchten aufweist. Daß Wasser war sehr warm (>30°C). Wo wir schon mal hier waren, konnten wir es kaum erwarten die ersten Fische zu fangen. Das Problem war nur daß das Ufer nicht gut gegehbar war und an der Stelle jede Menge Wurzeln, Äste etc. im Wasser trieben. Hier hätten wir uns garantiert die Netze ruiniert. Also ließen wir uns von einem Fischerboot auf eine kleine Insel bringen um dort zu Keschern. Leider war der Fang nicht sehr erfolgreich. Die Stellen waren einfach zu tief für unsere Netze. Der Fischer sollte uns eigentlich in einer halben Stunde wieder abholen., doch schon bald lernten wir venezolanische Pünktlichkeit kennen. Es wurde immer später und es fing schon an dunkel zu werden. Wir machten uns schon so langsam mit dem Gedanken vertraut, die Nacht auf der Insel zu verbringen, bis unser Rufen und Winken von einem entfernten Boot gesehen wurde. Es steuerte auf uns zu, war aber leider schon so überladen, daß es uns nicht mehr mitnehmen konnte. Die Leute auf dem Boot verprachen uns aber ein anderes Boot zu schicken, welches auf wenig später eintraf! Wir waren also "gerettet"! Nun hatten wir nach gerade mal einem Tag in Südamerika unser erstes Abenteuer erlebt. Wenn das so weiter geht .... Am nächsten Tag machten wir uns zu einem Fluß Namens Quebrada Aqua Clara auf. Mit Rucksäcken und Keschern ging es durch den Regenwald bis wir eine geeignete Stelle zum Keschern gefunden hatten. Das Wasser war klar und mäßig warm (ca.24°C /16.00Uhr). Der Leitwert betrug 130 Mikrosiemens, der pH-Wert 7.5, GH und KH jeweils 4°. An Fischen kamen hier Guppies, Bodensalmler, Chaetostoma sp., Creagrutus lepidus und eine Raubsalmler-Art vor, die uns noch häufig begegnete. Die Welse zu fangen war gar nicht so einfach. Doch mit zwei Mann hat man gute Chancen Tiere zu erbeuten. Die Welse flüchten meistens und flache Steine. Hebt man diese vorsichtig an, bleiben sie oft unter den Steinen sitzen und man braucht "nur" noch den Kescher darunter zu halten. Der nächste Tag führte uns an den Rio Urama. Ein relativ großer Fluß mit sandigem Bodengrund. Die Wassertemperatur betrug 29° (16.00Uhr). (pH 7.5, GH 4°, KH 3°, Leitwert 60 Mikrosiemens) Schon bei den ersten Schritten durch das teilweise knietiefe Wasser fielen uns riesige Schwärme von Corydoras aff.aeneus auf, die uns natürlich brennend interessierten. Weiter gab es hier 3 Arten Salmler, Aequidens sp., Crenicichla sp., Pimelodus sp., ein Ancistrus-Art und einige Süßwassergarnelen. Auf dem Rückweg kamen wir an einem alten Tunnel vorbei in dem es vor Fledermäusen nur so wimmelte. Noch nie hatte ich so viele Fledermäuse auf einem Fleck gesehen. Norbert erzählte später, daß hier auch einige Vampir-Fledermäuse vorkommen!!! Am vierten Tag fuhren wir Richtung Valencia um Norberts neues Boot abzuholen. Natürlich wollten wir auch heute mit dem Kescher aktiv werden und so fuhren wir zu einem Zufluß des Lago de Valencia (Rio Vigirima). Wir hatten zuvor recherchiert, daß hier der Rotaugen-Moenkhausia vorkommen sollte. Doch leider wurden wir nicht fündig. Dafür fingen wir aber einen anderen Salmer, Creagrutus beani, wunderschöne Chaetostoma, einen Hummelwels und einige Aequidens. sp. Das Bodengrund war aus groben Kies und das Wasser war klar. Die Temperatur betrug um 14.00Uhr 24°C, der pH-Wert 7.0, GH und KH jeweils 2°. Der Leitwert betrug 60 Mikrosiemens. Auf dem Rückweg wurden wir noch von einer Polizeistreife angehalten weil wir angeblich falsch abgebogen waren. Doch hier regelt man solche Delikte unter sich .... Der fünfte Tag war Karibik pur!!! Wir fuhren Richtung Karibisches Meer um uns von Tucacas aus auf eine der vielen kleinen Inseln bringen zu lassen. Auf der Insel (Playuela) angekommen, konnten wir uns die Bucht aussuchen, in der wir schnorcheln wollten, da wir fast allein auf der Insel waren. In einem karibischen Riff zu schnorcheln gleicht einem Besuch in einem Meerwasseraquarium hoch 2. So viele schöne und bunte Fische auf einem "Fleck" hatten wir noch nicht gesehen. Wir waren total überwältigt. Der Nachteil war nur das man jegliches Gefühl für Zeit und Raum verliert, sodaß wir uns einen tierischen Sonnenbrand holten!!! Wir konnten natürlich keinen Tag verstreichen lassen, ohne eine paar Kescherzüge durch einen Fluß zu machen! Also entschlossen wir uns auf dem Rückweg die Brackwasserzone der ins karibische Meer entwässernden Flüsse zu untersuchen. Wir hielten am Rio Aroa und am Rio Yaracuy ca. 500m vom Meer entfernt an. An Fischen erbeuteten wir Caquetaia kraussii, Raubgrundeln (Eleotris???), einige Garnelen, und Süßwassernadeln!!! Die Wasserwerte betrugen: 27°C (17.00Uhr), Leitwert 500 Mikrosiemens, pH 8.0, GH 13°/KH 11°. Der folgende Tag diente dazu unseren doch recht heftigen Sonnenbrand zu pflegen, sodaß wir uns mit den schon gefangenen Tieren beschäftigten. (Wasserwechsel, etc.) Am siebten Tag fuhren wir in ein Sumpfgebiet um den Rio Taria. Wir hofften hier Rivulus-Arten zu finden. Leider wurden wir diesbezüglich nicht fündig. Wir kescherten an den verschiedensten Stellen, fingen aber keine Killi's. Dafür gingen uns 2 Arten Lebendgebärende in die Netze: Poecilia heterandira und Poecilia caucana. Wie wir zumindest bis vor wenigen Wochen dachten. Vermutlich handelt es sich nämlich nicht um P.caucana sondern um eine neue Art: Poecilia dauli (MEYER & RADDA,2000). Desweiteren gingen uns Caquataia kraussii, 3 Arten Salmler, Aequidens sp. und ein Kiemenschlitzaal ins Netz. Das klare Wasser hatte folgende Wasserwerte: Temp. 30°C (14.15Uhr), Leitwert 400 Mikrosiemens, pH 8.0, GH 12°,KH 12°. Am darauffolgende Tag machten wir uns zu Fuß auf um die nähere Umgebung zu untersuchen. Wir kescherten in mehreren Bergbächen (ca.900m ü.d.Meeresspiegel) und fingen Guppies, Schmerlenwelse, Raubsalmler und einige Süßwasserkrabben. Die Wassertemperatur betrug "nur" 20°C (13.00Uhr), Leitwert 60 Mikrosiemens, pH 8.0, GH 3°,KH 2°. Bislang waren wir nur zwei Gäste in Casa Maria, doch heute am 9.Tag, traf eine Gruppe Aquarianer, Terrarianer und Entomologen aus Östereich ein. Nun waren wir also mit elf Gästen in Casa Maria. Am Nachmittag des neunten Tages wollten die Freunde aus Östereich natürlich auch schon mal eine wenig keschern. Also fuhren wir zum nah gelegenen Rio Canoabo. Daß Wasser war klar und die Temperatur betrug um 16.30Uhr 26°C (50Mikrosiemens, pH 8.0, GH 2°/KH2°). An Fischen gab es hier Corydoras aff. aeneus, Aequidens sp., Chaetostoma sp., Ancistrus sp., Guppies und eine Salmer-Art (vermutlich Roeboides). Am Abend wurde bei Bier (Polar) und Rum mit den "Neulingen" ausgiebig gefachsimpelt und die ersten Freundschaften wurden geschlossen. Am darauf folgenden Tag fuhren wir nach San Felippe. Dort gab es alte Eisenerzminen zu besichtigen. Auf dem Weg zu den Minen kannte Norbert noch eine Stelle, wo man einen seltenen Salmler fangen konnte. Es handelte sich vermutlich um eine Creagrutus-Art. Die Tiere wirkten mit ihren langen Brustflossen an deren Ende ein weißer Fleck war, wie Fadenmaulbrüter aus Afrika. Die Kollegen aus Östereich nahmen einige Tiere mit. Auf dem Rückweg wurden wir von einem tropischem Regenschauer überrascht und wurden erstmal klitschnaß!!! Auf dem Heimweg hielten wir noch an einer Stelle wo zwei Bäche ineinander floßen. Der Name der Bäche war Norbert nicht bekannt, doch wir befanden uns irgendwo in der Umgebung vom Rio Aroa. Interessant war daß der eine Bach eher klar war und der andere dagegen ziemlich trübe. Da der trübe Bach aus unserer Fahrtrichtung kam, führten wir die Trübung auf das kräftige Regenschauer zurück. An Fischen fingen wir eine auffällig rot gefärbte Variante von Creagrutus lepidus, Aequidens spec., Ancistrus sp., Guppys und noch eine Salmler-Art. Die Wasserwerte betrugen: 400 Mikrosiemens, pH-Wert 8,0,GH 2°,KH 2°. Die Wassertemperatur wurde nicht gemessen, da wir unser Thermometer vergessen hatten. Die beiden darauffolgenden Tage wurden mehr oder weniger zum sortieren, bestimmen und fotografieren der bislang gefangenen Fische genutzt. Am 13.Tag wollten Christoph und ich eine Tour zu einem in der Nähe gelegenen Bergbach machen. Ein östereichischer Kollege hatte zuvor dort ein sehr idyllisches Örtchen gefunden und schwärmte nur noch davon das Paradies gesehen zu haben. Diesen Ort konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Also ließen wir uns den Weg erklären und maschierten los. Diese Tour sollte unser zweites Abenteuer werden, denn wir verliefen uns und konnten den Bach zwar hören aber nicht sehen. Also schlugen wir uns durch das Dickicht (sehr leichtsinnig!!!) um den Bach zu erreichen. Daß Gelände wurde immer steiler und mittlerweile rutschten wir immer mehr durch das Dickicht bis wir endlich den Bach erreichten. Doch nun hatten wir keine Chance mehr den selben Weg zurück zu gehen. Es wäre unmöglich gewesen diese steilen und dicht bewachsenen Hänge hochzusteigen. Es galt erstmal die Lage zu analysieren. Das einzigste was wir sicher wußten war, daß der Bach irgendwann die Straße kreuzen würden. Die Frage war nur wann!? Also hatten wir nur die Möglichkeit flußaufwärts zu maschieren und zu hoffen irgendwann mal die Straße zu erreichen. Das funktionierte zuerst auch erst ganz prima, doch die Felsbarrieren die es zu erklimmen galt wurden immer höher und vor allem glitschiger (Algenbewuchs). Doch mit geeinten Kräften schafften wir es. Nach einer Weile fühlten wir uns schon wie echte Bergsteiger. Doch die Straße wollte einfach nicht in sichtweite kommen. Als wir mit unseren Kräften schon fast am Ende waren entdeckten wir einen Weg der wohl von irgentwoher zum Bach führte. Wir waren also "gerettet". Der Weg führte direkt zur Strasse. Mit ziemlich dreckigen und zerrissenen Klamotten machten wir uns auf den Heimweg. Unterwegs wurden wir noch von einem freundlichen Venezolaner auf der Ladepritsche seines Pick-Up's mitgenommen. Er hatte wohl gesehen, daß wir mit unserern Kräften ziemlich am Ende waren. Diesen Tag werden wir wohl nie vergessen, denn die wunderschöne und unberührte Natur die wir auf diesem Trip gesehen haben war wirklich einzigartig. Am nächsten Tag war ein Bootfahrt mit Norbert's neuem Boot geplant. Wir fuhrem also mit Sack und Pack zum Lago Cachinche auf dem wir ja schon fast unsere erste Nacht in Venezuela verbracht hätten. Das Wasser war sehr warm (32°C Oberflächentemperatur). Es gab dort unendlich viele kleine Seitenarme die wir hochfuhren und man kam sich ein wenig vor, wie ein Abenteurer der irgendwelche unbekannten Flußarme hochfährt. Es sollte hier einen Geophagus-Art vorkommen. Also stiegen wir an einigen Stellen aus um mal unser Glück mit dem Netz zu versuchen. Doch leider fingen wir keinen einzigen Geophagus. Lediglich ein einziger Crenicichla und die fast überall vorkommenden C.kraussii gingen uns zusammen mit einigen Salmlern ins Netz. Am Nachmittag fuhren dann nach einer wirklich schönen Bootsfahrt mit einem lachendem (wunderschöne Landschaft) und einem weinendem (keine Geophagus) Auge nach Hause. Da die Östereichischen Kollegen ebenfalls an den beiden Lebendgebärenden Arten interessiert waren fuhren wir am nächsten Tag nochmals in das Sumpfgebiet um den Rio Taria und stockten die bereits gefangenen Bestände ein wenig auf. Am 16. Tag erkundeten wir einen weiteren Bergbach in der näheren Umgebung von Casa Maria. Die Wasserwerte stimmten in etwa mit den zuvor in den Bergbächen ermittelten Werten überein. An Tieren fingen wir wieder Guppies, Raubsalmler, Süßwasserkrabben und einige interessante Schmerlenwelse. Da wir noch nicht viel von südamerikanischen Großstädten mitgekriegt hatten, fuhren wir am darauffolgenden Tag nach Valencia. Norbert kannte dort den Wasserpflanzenzüchter und Zierfischexporteur Sixto. Seinen "Laden" sahen wir uns an und die östereichischen Kollegen deckten sich mit seltenen Aquarienpflanzen ein. Danach besuchten wir noch das Aquarium Valencia und danach den ehemaligen Leiter des Aquariums und Diskuszüchter Hans Jürgen Köpke (Expo-Projekt Venezuela Pavillion 2000). An unserem vorletztem Tag machten wir mit Norbert eine Tour nach Puerto Cabello um ein im kolonialstil restauriertes Stadtviertel zu besichtigen. Es ist wirklich wunderschön anzusehen. Auf dem Rückweg fuhren wir noch zum Rio San Esteban um eine wunderschöne Grundel zu fangen. Norbert hatte uns zuvor von "Ihr" berichtet und somit unser Interesse geweckt. Der Fluß führte klares Wasser und entwässerte direkt in das karibische Meer. Leider vergaßen wir unsere Meßutensilien sodaß wir keine Wasserwerte messen konnten. Die Grundeln zu fangen war in dem mit grobem Kieseln bedecktem Flußbett gar nicht so einfach. Doch Norbert hatte bereits ein ausgeklügelte Technik. Wir legten das Zugnetz an einer geeigneten Stelle in daß Wasser und "dekorierten" es mit einigen Kieseln und Steinen. Christoph und ich hatten je ein Ende des Netzes in der Hand. Nun kam Norbert von oben und stocherte mit einem Stock im Bodengrund herum und scheuchte somit die Grundeln auf. Sie flohen dann flußabwärts un schwammen direkt in unser Netz. Durch die Deko im Netz fühlten sie sich sicher und bemerkten nicht, daß sie bereits in der Falle saßen. Wenn genug im Netz waren zogen wir ganz schnell das Netz hoch und einige Tiere waren jedesmal unsere Beute. Dies Spiel trieben wir etliche Male, bis wir genügend Tiere erbeutet hatten (ca.2-3 Stunden). Desweiteren kamen hier noch 2 Salmler-Arten und einige Garnelen und Guppies vor. Am Abend wurde unserer Fang von den östereichischen Kollegen begutachtet und bestaunt. Am letzten Tag vor der Abreise galt es eigentlich nur noch die Fische zu sortieren und die Sachen zusammenzusuchen. Wir schossen noch einge Fotos, wie an fast jedem Abend, auf dem Gelände von Casa Maria. Es gab hier immer viel zu fotografieren, besonders am Abend. (Frösche, Spinnen, etc.) Am 20. Tag war nun leider der Tag unserer Abreise gekommen. Wir verabschiedeten uns von den neuen Freunden und fuhren nach Caracas zum Flughafen, wo wir nach heißen Verhandlungen(2-3Std.) unsere Fische dann doch noch ausführen durften. Völlig erschöpft von diesem letztem Abenteuer mit den Behörden fielen wir in unsere Sitze im Flugzeug und tranken erstmal ein wenig Rotwein um uns von dem Schreck zu erholen. Nach dem Rotwein schläft man übirgens prima und wir wurden kurz vor Madrid von der Stewardess geweckt weil wir nicht angeschnallt waren.... ©Thomas Torbecke |